Auf ein Wort
„Vielleicht“ steht für Hoffnung

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Der Komiker Jürgen von der Lippe, 1948 als Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp in Bad Salzuflen geboren, galt als scharfzüngiger Kritiker der Kirche. Ihre Vertreter hier auf Erden nahm er gern aufs Korn und erntete stets große Lacherfolge damit. Und das, obwohl er lange Jahre als Messdiener tätig war. Oder gerade deswegen? Er bezeichnete sich auch gern als „Agnostiker“: Er brauche den Glauben nicht. Kürzlich wurde er gefragt, wie es mit seiner Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod aussähe. Und da sagte er etwas Bemerkenswertes. Er hielte es da mit dem Philosophen Ernst Bloch, der einmal von dem kritischen Christen und Ordinarius für Rhetorik, Walter Jens,  so zitiert wurde: „Ich würde mich auf ein kleines Peutêtre zurückziehen, ein Vielleicht – das ist schon viel.“

Es ist ja richtig, es gibt für die Existenz eines Gottes und für ein Leben nach diesem Leben keinen Beweis. Nicht wenige – durchaus kluge Köpfe –  machen keinen Hehl daraus, dass sie auch ganz gut ohne Gott und ohne Glauben leben können. Gerade in guten Zeiten, wenn sie mitten im Leben stehen und stark und selbstbewusst davon ausgehen, das Leben in der Hand zu haben. Aber kommen dann andere Zeiten, gehen Sicherheiten verloren, gibt es ganz neue Fragen. Da ist die Welt nicht mehr Schwarz/Weiß, da geht einem dieses „ich brauche keinen Gott“ nicht mehr so leicht über die Lippen. Und dann gibt es dieses „kleine Peutêtre“, das kleine „Vielleicht ja doch…“ was dann doch ganz viel Bedeutung hat. Vielleicht braucht es ja wirklich nicht mehr. Vielleicht braucht es ja nur diesen kleinen Spalt, durch den dann doch Gottes Geist auch in die Welt der Skeptiker und Ungläubigen kommt. „Vielleicht ja doch …“  – so schafft sich die Hoffnung einen Weg zu uns Menschen. Und diese Hoffnung kommt von Gott und kann Berge versetzen und das Dunkel von Angst und Resignation durchbrechen! Auch in der Zeit nach Libori, wenn es wieder heißt, dass Libori das Licht mitnehme. Ja, richtig, die Tage werden wieder kürzer – aber das Licht der Hoffnung bleibt und wird mehr. Und nicht nur „vielleicht“, sondern ganz bestimmt!

Detlev Schuchardt ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe.

Der Beitrag ist in der Kolumne „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen am Freitag, 4. August, veröffentlicht.

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