Auf ein Wort
Sehr gut

von Pfarrerin Elke Hansmann

Pfarrerin Elke Hansmann, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Elsen

Pfarrerin Elke Hansmann, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Elsen

Das Thema der Konfirmandenfreizeit lautete „Identität“ und die Jugendlichen hatten die Aufgabe, einen Steckbrief von sich zu erstellen. Darin sollten sie sich mit nur einem Wort beschreiben. Keine leichte Aufgabe. Einige beschrieben sich als sozial oder hilfsbereit, manche als unbeschreiblich, andere als einzigartig. Wer aber würde sich selbst mit „sehr gut“ beschreiben, zu Mal das auch zwei Worte sind. Fast jedem ist doch bewusst, dass er nicht so ist, wie er sein könnte oder sollte. Wir machen Fehler, verletzen andere, sind ohne Rücksicht auf unseren eigenen Vorteil bedacht. Sündigen.

Doch einmal haben wir alle das Prädikat „sehr gut“ erhalten, denn es heißt: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Wäre es nicht schön, dies noch einmal von Gott zu hören? Weil wir Menschen uns aber mit dem „sehr gut“ nicht zufrieden gegeben haben, sondern immer mehr wollten und wollen, besteht dieser paradiesische Zustand, diese unmittelbare Verbundenheit mit Gott nicht mehr. Nur diese Sehnsucht bleibt, bei uns Menschen und auch bei Gott selbst. Denn seine Liebe zu uns Menschen bleibt. Nicht anders ist es zu erklären, dass er selbst Mensch wird in Jesus Christus. Er lebt, leidet und stirbt als Mensch unter uns Menschen. Das Kreuz wird zu einer Art Brücke über den Graben, der sich aufgetan hat und uns vom „sehr gut“ des Anfangs trennt. Der Graben ist nicht zugeschüttet. Wir spüren täglich, wie wenig gut unsere Welt ist: Wenn ein Kind der Lust am Töten zum Opfer fällt, wenn Kriege die Lebensperspektive ganzer Generationen zerstören, wenn Menschen ausgegrenzt werden aufgrund ihrer Herkunft oder Religion.

Obwohl es so ist, wie es ist und wir sind, wie wir sind, hat Gott eine Brücke zu uns geschlagen. Wir haben neue Hoffnung, dass unsere Sehnsucht sich erfüllt. In Jesus sieht Gott uns mit den Augen der Liebe an. In Jesu Worten können wir das „sehr gut“ neu hören. So können wir entdecken, wie es werden könnte, wenn wir unserer Sehnsucht nach dem „sehr gut“ folgen. Dabei wissen wir, dass wir nicht alles aus uns selbst heraus schaffen können und müssen. Gott kommt uns entgegen mit seiner Liebe und seiner Vergebung in Jesus.

„Wer bin ich?“ – war eine Frage auf der Konfirmandenfreizeit und die Jugendlichen haben versucht, eine Antwort darauf zu finden. „Wer bin ich?“ – diese Frage stellen wir uns vielleicht von Zeit zu Zeit selbst. Und vielleicht können wir dann den leisen Zuspruch hören oder spüren, den Gott uns gibt: „In meinen Augen bist du sehr gut.“

 

Elke Hansmann ist Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Elsen.

Der Beitrag ist in der Kolumne „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 17. März, veröffentlicht.

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