Literarisch-musikalischer Schauspiel-Abend
„Schneller, höher, weiter…“

Präsentieren einen szenisch-literarischen Abend mit Musik: René Madrid und Ann-Britta Dohle. Foto: Privat

Präsentieren einen szenisch-literarischen Abend mit Musik: René Madrid und Ann-Britta Dohle. Foto: Privat

Paderborn. Unter dem Titel Schneller, höher, weiter…oder: Jetzt schon ans Aufhören denken wäre verfrüht“ wird am Freitag, 13. Oktober, um 19 Uhr zu einem literarisch-musikalischen Schauspiel in den Saal des Historischen Rathauses Paderborn eingeladen. Der Eintritt ist frei; um Spenden wird gebeten. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Hospiz- und Palliativtage 2017 in Paderborn statt.

Die Schauspielerin und Regisseurin Ann-Britta Dohle liest und spielt unter anderem Texte von Erich Fried, Kurt Schwitters, Robert Gernhardt, Djuna Barnes und Friederike Roth. Dabei schlüpft sie in die unterschiedlichsten Frauencharaktere und führt einen lebendigen Gesellschaftsspiegel unserer Zeit vor – zwischen Kulturfassade und dem Blick auf den Einzelnen. Dazu setzt René Madrid mit Akkordeon, Gitarre und Perkussion die jeweiligen musikalischen Impulse, schafft eine dichte Atmosphäre und spinnt einen unsichtbaren Faden durch den szenisch-literarischen Abend.

Im Rahmen der Aufführung trifft sich eine fiktive Gesellschaft zur Rettung der abendländischen Kultur zu einer Jubiläumsveranstaltung. Mit Spannung erwarten die Veranstalterin und ihr Publikum die Festrednerin, die sich zur Leitidee unserer Gesellschaft „Schneller, höher, weiter“ äußern wird. Doch die Festrednerin lässt auf sich warten, die Veranstalterin gerät ins Schwitzen und der Abend droht aus dem Konzept zu fallen. Mal sarkastisch, mal ironisch, mal feinfühlig und mal mitreißend komisch sind die Betrachtungen des heutigen Lebens, dessen Endlichkeit so gerne unter den Teppich gekehrt wird. Nicht so zum Beispiel bei Kurt Schwitters. Der hat sich auch über den Tod hinaus mit dem Paradies beschäftigt. „Schauen wir, dass das Paradies vorher eintritt, jetzt und bis zum letzten Zipfelchen unseres Daseins: mal liebevoll, mal komisch und gerne laut gelacht“, so das Motto des Abends.

Die heutige Zeit ist voller Widersprüche. Zwischen unendlichem Fortschrittsglauben und Unglauben, zwischen dem Gefühl, die Welt retten zu müssen und gefühlter Ohnmacht, zwischen superlativischen Forderungen, Evaluieren und Optimieren, droht der Mensch abhanden zu kommen. „Doch deshalb gleich ans Aufhören denken wäre verfrüht“, aber vielleicht stattdessen mal ein Innehalten, ein Zuhören und ein In-sich-spüren.

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