Auf ein Wort
Im Endeffekt

von Pfarrer Detlev Schuchardt

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Es ist 19 Uhr und ich sitze im Paderborner Bus. Außer mir sind nur wenige Fahrgäste unterwegs, so dass ich ein Gespräch von zwei jungen Frauen mitbekomme. Sie sind vielleicht Anfang zwanzig und haben viel Spaß zusammen. Die eine liest nämlich der anderen aus ihrem Handyverlauf vor, was ihre 15-jährige Schwester wieder einmal in den sozialen Medien gepostet hat. Nicht der Inhalt ist wichtig, es geht einzig und allein um die Schreibweise. Diese 15-Jährige schreibt nämlich anscheinend nur nach dem Gehör und macht dabei so katastrophale Schreibfehler, dass ihre Schwester sie alle sammelt und damit bei jeder Gelegenheit große Lacherfolge erntet. „Hier schau mal, da schreibt sie: ‚Bin endlich zuhause und nur noch chao.‘ Ich dachte erst, sie meint das ‚Chaos‘ zuhause und hat das ‚s‘ vergessen, aber nein – sie schreibt ‚k.o.‘ immer so!“ „Und dann hier: ‚Jenny ist auch wieder aus Frankreich zurück. Sie hat da Oper gemacht.‘ Sie meint: ‚Au pair‘!!!“ Es ist richtig unterhaltsam im Bus, auch die paar anderen Fahrgäste amüsieren sich. Und dann der Höhepunkt: „Mir ist meine Schwester wirklich peinlich, ich sammle ihre Fehler auch nur, um ihr zu zeigen, dass es so nicht weitergeht. Die Krönung war nämlich, dass sie ‚im Endeffekt‘ immer so schreibt:“ und dann buchstabiert sie: „im Entdefekt“.

„Am Anfang war das Wort.“ So steht es in der Bibel. Wir Christen sind, wie auch das Judentum  und der Islam, eine Buchreligion. Nicht die Buchstaben sind das Entscheidende, sondern sie bilden den Rahmen für die Bedeutung des Glaubens. „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannesbrief 4,16b). Jedes Wort ist wichtig. Und der bewusste Umgang mit jedem Wort. Gottes Worte haben Bestand, sie können ruhig auf die Goldwaage gelegt werden. Diese Worte sind sorgsam gewählt und es steckt auch für nicht-gläubige Menschen viel Weisheit darin. Natürlich sind Rechtschreibfehler erlaubt. „Im Entdefekt“. Aber ein achtsamer und gekonnter Umgang mit Worten führt zu mehr Verständnis und mehr Verlässlichkeit. Auch im Alltag. Im Endeffekt.

Detlev Schuchardt ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe.

Der Beitrag ist in der Kolumne „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am 17. Februar veröffentlicht.

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