ABSCHIED Mit Anke Schröder hat sich Kirchenkreis auf den Weg gemacht

VON HEIDE WELSLAU

Einführung und Verabschiedung: Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus (M.) führte Pfarrer Volker Neuhoff in das Superintendentenamt des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn ein und verabschiedete seine Vorgängerin Superintendentin Anke Schröder. Foto: EKP/Oliver Claes

Einführung und Verabschiedung: Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus (M.) führte Pfarrer Volker Neuhoff in das Superintendentenamt des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn ein und verabschiedete seine Vorgängerin Superintendentin Anke Schröder. Foto: EKP/Oliver Claes

PADERBORN/KREIS HÖXTER/LÜGDE – „Eine Kirche mit Stallgeruch: Christus nahe, unterwegs zu den Menschen“, das ist die „Kirche vor Ort und nahe am Menschen“, wie sie sich der neue Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff (54), wünscht. Über 350 Gäste hörten seine erste Predigt über Amos 5,21-24 als Superintendent am 29. Januar im festlichen Gottesdienst in der Paderborner Abdinghofkirche. Musikalisch gestaltet wurde er von Kirchemmusikdirektor Martin Hoffmann (Orgel) mit der Abdinghof-Kantorei sowie von Kreisposaunenwartin Marianne Noeske mit dem Posaunenchor.

In Köpfen und Herzen Spuren hinterlassen

Im Gottesdienst verabschiedete die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Annette Kurschus, Superintendentin Anke Schröder (58) in den Ruhestand. Sie leitete den Evangelischen Kirchenkreis Paderborn fast 12 Jahre lang und war von 2013 bis 2015 auch nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung der westfälischen Landeskirche. Der Landeskirche falle es nicht leicht, Anke Schröder gehen zu lassen, sagte Präses Kurschus. In über 29 Jahren als Pfarrerin auf der Ebene der Gemeinden, des Kirchenkreises und der Landeskirche habe sie „Spuren hinterlassen in den Köpfen und Herzen vieler“. Die Präses lobte Schröders Klarheit und Tiefgang.

Ihr Nachfolger, Volker Neuhoff, wurde durch Präses Annette Kurschus in sein neues Amt eingeführt. Mitwirkende im Gottesdienst waren neben dem Kreissynodalvorstand und weiteren Synodalen auch Neuhoffs Mentor aus der Zeit als Vikar in Espelkamp, Pfarrer i. R. Friedrich Wilhelm Hageböke (Lübbecke), und Presbyter Alexander Tschense aus Lippstadt. Volker Neuhoff ist der 13. Superintendent des Kirchenkreises Paderborn mit 17 Kirchengemeinden und rund 81.000 Christinnen und Christen. Zuletzt war der gebürtige Dortmunder seit 2002 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Lippstadt im Kirchenkreis Soest. Hier war er seit 2012 auch Synodalassessor.

„Der weiß, was er will“, so der Eindruck der Präses von Volker Neuhoff. Für ihn sei die Grundbewegung von Kirche: „Nicht abzuwarten, bis jemand kommt, sondern selbst hingehen. Die eigene Freude an Gott umsetzen in phantasievolle Liebe zum Mitmenschen und auch in hilfreiche und dienliche kirchliche Strukturen.“ Paderborn sei ein besonderer Ort, „an dem die Freude an Gott auch konfessionell mehrstimmig und vielfarbig gelebt wird. Sitz des katholischen Erzbistums und Sitz des evangelischen Kirchenkreises in einer Stadt: Das ist für die gemeinsame Freude eine Steilvorlage“, hob Präses Annette Kurschus hervor.

Dank und gute Wünsche

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden die Grußworte in der Abdinghofkirche gehalten, bevor die Gäste aus Ökumene, Politik, Soziales und Wirtschaft beim Empfang im Paul-Gerhardt-Haus die Möglichkeit hatten, persönliche Worte mit Anke Schröder und Volker Neuhoff zu wechseln.

Landeskirchenrat Fred Sobiech (EKvW) erinnerte daran, dass sich der Kirchenkreis Paderborn in der Amtszeit von Superintendentin Anke Schröder „auf den Weg gemacht hat“. Nicht nur durch strukturelle Veränderungen sei er „seinem Auftrag in der Wirklichkeit dieser besonderen Region gerecht“ geworden. Er verstehe es auch zu feiern, blickte der Ortsdezernent auf das 175-jährige Jubiläum des Kirchenkreises im letzten Jahr zurück.

„Zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Paderborn und den katholischen Dekanaten gibt es eine wirklich gute Zusammenarbeit“, stellte Dechant Benedikt Fischer (Dekanat Paderborn) fest. Er erinnerte an gemeinsame ökumenische Gottesdienste – vom NRW-Tag 2007 bis zum Deutschen Wandertag 2015, zum ersten Mal an einem Sonntagvormittag vor dem Paderborner Rathaus. Ebenso nannte er das erfolgreiche Bündnis von Kirchen und Gewerkschaften, das durch seine Sozialkonferenzen unter anderem einen Armuts- und Reichtumsbericht für Paderborn politisch einforderte.

Aus dem tansanischen Partnerkirchenkreis Kusini B / Ilemera wurde ein Grußwort des Superintendenten Phenias Lwakatare von Pfarrer i.R. Peter Dalheimer und Jürgen Nachtigal (AK Tansania) verlesen. Anke Schröder wurde für die gute Begleitung der Partnerschaft gedankt und ihr „Frieden, Freude und Gesundheit“ gewünscht. „Liebe, Stärke und Weisheit“ wurden Volker Neuhoff mit auf den Weg gegeben, der in der Partnerschaft willkommen ist.

Das biblische Leitwort des Kirchenkreises „Als lebendige Steine lasst euch aufbauen zu einem geistlichen Haus“ (1. Petr. 2,5), sei auch die Maxime der Amtszeit von Anke Schröder gewesen, meinte Landrat Manfred Müller (Kreis Paderborn). Als erste Frau in der Geschichte des Kirchenkreises habe sie ihn geleitet und nach außen repräsentiert – „mit viel Fingerspitzengefühl“. Die Zusammenarbeit sei „sehr konstruktiv, vertrauensvoll und herzlich“ gewesen. Unter anderem erinnerte der Landrat an den ZDF-Fernsehgottesdienst im Januar 2013 in der Wewelsburg am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

„Diakonie ohne Kirche verliert den Himmel – Kirche ohne Diakonie verliert die Erde“ (Klaus Dörner). Dies sei auch Anke Schröders Diakonieverständnis als Vorsitzende des Verwaltungsrates gewesen, erklärte Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.. Sie dankte Schröder für ihre Menschlichkeit, für gegenseitige Unterstützung und das klare Bekenntnis „Paderborn ist bunt“.

„Dass unser Kirchenkreis, seine Gemeinden und die darin wirkenden Gruppen und Einzelpersonen auch unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen wirken können, die uns eine fröhliche Verkündigung des Evangeliums und eine Weitergabe des Glaubens ermöglichen“, habe bei allen Strukturveränderungen für Anke Schröder in ihrer Amtszeit stets im Vordergrund gestanden, betonte Synodalassessor Dr. Rainer Reuter.

Rückblick und Ausblick

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lk, 9,62) Dieses Wort, das ihr anlässlich ihrer Ordination zugesprochen wurde, „klingt immer noch herausfordernd, inzwischen aber auch heilsam und Zukunft eröffnend“, sagte Superintendentin i. R. Anke Schröder. „Eine Zukunft, die Gott uns anbietet und die wir mitgestalten können und sollen.“ Sie dankte allen, die Verständnis hatten für das, was in den letzten Jahren hier zu tun war. Denjenigen, die im Kirchenkreis Paderborn weiterhin gemeinsam leben und arbeiten, wünschte sie, „dass sie sich von Gottes Geist leiten lassen mögen“.

Neben Dankesworten und vielen guten Wünschen gab es auch Geschenke. Diese aber nicht nur für Anke Schröder und Volker Neuhoff, sondern auch vom neuen Superintendenten: Bleistifte mit dem Aufdruck „Gott hat das erste Wort“ ließ er verteilen, um daran zu erinnern, dass „Ursprung, Ziel und Sinn“ des Tuns aller Christinnen und Christen bei Gott liegen. Neuhoff: „Um unsere Einstellung zum Leben, zum Glauben, zur Hoffnung, zur Liebe, zu Recht und Gerechtigkeit geht es! Nicht Weltfremdheit, sondern von ‚Frömmigkeit‘ geprägte Weltverantwortung, glaubwürdiges Reden und Handeln wird von uns erwartet.“ Nach den Gottesdiensten in der Kirche öffneten sich die Türen wieder hinein in die Welt – „auf den Weg des werktäglichen Gottesdienstes“. Dabei mitzuwirken macht Superintendent Neuhoff zu Beginn seiner achtjährigen Amtszeit allen einfach: Fragebögen zum Thema „Ideen für acht Jahre“ wurden verteilt (www.8-Jahre.de; E-Mail: Ideen@8-Jahre.de). Da kann der neue Bleistift gleich zum Einsatz kommen. Volker Neuhoff ist gespannt auf „Antworten, die uns glaubensfroh und frohgemut Kirche vor Ort und nah am Menschen leben lassen. (…) Gott hat das erste Wort – mit ihm führt er uns dorthin, wo Gerechtigkeit in das Leben hineinquillt.“

Siehe auch: Predigt von Superintendent Volker Neuhoff anlässlich seiner Einführung am 29. Januar 2016 im Gottesdienst in der Abdinghofkirche Paderborn über Amos 5,21-24

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